Alexander Klaws im Gespräch mit venyoo.de

Anlässlich seiner Premiere als Tarzan-Darsteller im gleichnamigen Hamburger Musical, traf venyoo.de Alexander Klaws am 5.6.2010 zum Interview. Der erste DSDS-Gewinner (damals gerade erst 19) plauderte begeistert über seine neue Rolle, reflektierte aber auch teilweise etwas nachdenklich seinen Werdegang. Eins ist sicher: Er ist gewachsen an seinen Aufgaben, aber sein charmantes, offenes Wesen und sein zuweilen schelmisches Grinsen, hat er sich bewahrt und begeistert nun fast allabendlich Fans und Kritiker als Musicaldarsteller…... mehr

venyoo.de: Alex, von der Mini Playback Show, über DSDS bis hin zum Musicaldarsteller ist ein weiter Weg. Carlo von Tiedemann hat dazu gesagt, du wärst vom „Schlagerfutzi“ zum „Megakünstler“ geworden – wie siehst du selbst deine Entwicklung?

Alex K.: Ja, es war ein weiter Weg. Die Musik hat mich ja schon mein ganzes Leben lang begleitet. Wenn ich aufstehe, höre ich Musik, bevor ich schlafen gehe, höre ich Musik – Musik ist einfach mein Leben. Und dann hab ich irgendwann meine Liebe zum Schauspiel entdeckt. Es ist wichtig, dass man kontinuierlich immer weiter an sich arbeitet. Also habe ich einfach mal an einem Musical-Casting teilgenommen und dadurch auch ein Stipendium für die Joop van den Enden Academy bekommen. Ich hatte ein Jahr lang Einzelunterricht – was natürlich viel intensiver ist, als ein normales Studium, da hatte ich echt Glück und konnte mich so weiterentwickeln. Viele denken: „Ach, der hat ja nur Glück gehabt, diese Castingshow gewonnen zu haben“, aber viele vergessen, dass da trotzdem sehr viel Arbeit hinter steckt. Wir sind damals jeden Tag aufgetreten und wenn man da mal einen schlechten Tag hat, hängt einem sowas jahrelang an. Weißt du, ich bin nicht der Typ, der sinnlose Unterfangen beginnt. Wenn ich nicht das Gefühlt hätte, dass ich das, was ich da mache, gut machen kann, würde ich es nicht machen – egal, ob Musik, Schauspielerei oder Musical. Ich arbeite hart daran, weiterzukommen und meine Entwicklung zeigt mir, dass sich das alles bisher gelohnt hat.

venyoo.de: Für die Rolle von Tarzan wird von dir ja eine große Bandbreite an Emotionen gefordert – von gefühlvoll, über energisch bis komisch. Inwieweit haben dir deine Erfahrungen bei „Tanz der Vampire“ und „Anna und die Liebe“ dabei geholfen, dich auf deine Rolle vorzubereiten?

Alex K.: Das hat mir natürlich geholfen. Alfred aus „Tanz der Vampire“ war sehr neugierig. Das haben alle meine Rollen eigentlich gemeinsam: alle sind bereit, Neues auszuprobieren. Für "Tarzan" musste ich mich dennoch wirklich sehr intensiv vorbereiten. Ich habe mir jede Menge Filme und Dokumentationen über Affen angeschaut, um gewisse Bewegungen zu verinnerlichen. Genau wie ein Schauspieler, der sich in eine Psychiatrie einweisen lässt, um sich auf seine Rolle als Serienkiller vorzubereiten, habe ich versucht, mich in Tarzan hineinzuversetzen. „Instinkt“ mit Anthony Hopkins war da auch recht hilfreich. Zudem habe ich z.B. auch immer wieder zuhause mit der Fernbedienung rumgespielt, um auszuprobieren, wie ich etwas halten muss. Ich habe auch viele interessante Sachen gelernt: Man sollte einem Graurücken z.B. niemals in die Augen schauen. Das Wegblicken zeugt von Respekt und genau das mache ich auch als Tarzan. Aber die Rolle ist wirklich schwierig. Vor allem die Bewegungsabläufe. Es darf natürlich nicht so aussehen, dass ich jetzt Ape Moves mache und dann versuche komisch zu sein. Es muss ein einziger Fluss sein. Und das ist wirklich eine Herausforderung.

venyoo.de: Was macht dir besonders Spaß an der Rolle? Und: Gibt es Parallelen zu deinem eigenen Leben?

Alex K.: Mir macht alles an dieser Rolle wahnsinnig viel Spaß. Die Artistik, das an den Lianen umherschwingen, das Singen, die Musik, das tolle Team, einfach alles. Ich glaube, was Tarzan und ich gemeinsam haben, ist, dass wir beide offen sind für Neues und niemals aufgeben. Tarzan ist ein Kämpfer. Gut, er ist auch etwas kindlich naiv. Aber das bin ich auch – manchmal. Wahrscheinlich steckt das in uns allen ein bisschen. Jeder interpretiert die Rolle des Tarzan ein bisschen anders. Der eine ist eher ein Macho, der andere mehr ein Artist und ich bin eher der neugierige Typ.

venyoo.de: Die Rolle ist ja auch körperlich sehr anstrengend. Wie hast du dich darauf vorbereitet und wie hältst du dich fit?

Alex K.: Ich hab mich acht Monate lang intensiv mit einem Privattrainer vorbereitet. Vor einem Jahr hätte ich noch nicht gedacht, das ich das einmal schaffe… Aber jetzt ist die ganze Show wie ein einziges Workout. Man kommt komplett aufgepumpt von der Bühne. So bleibt man auch fit.

venyoo.de: Bei den Proben zu Tarzan durftest du auch mit Phil Collins üben. Wie war das für dich?

Alex K.: Ich durfte mit Phil Collins einen Tag lang proben. Das war ein großartiges Erlebnis für mich. Phil Collins ist einer der Gründe, warum ich mit der Musik angefangen habe. Man merkt bei ihm sofort, dass die Show ihm sehr am Herzen liegt. Daher wollte er mal schauen, wer der neue Tarzan ist. Die Songs sind ja an sich schon toll und prinzipiell auch nicht schwierig zu singen. Aber die Rolle erfordert, dass man sie sehr emotional singt, um das Publikum wirklich zu berühren – das ist schon schwieriger, aber ich glaube, das gelingt mir ganz gut.

venyoo.de: Alex, du stehst fast jeden Tag in der Neuen Flora auf der Bühne. Viel Freizeit hat man da nicht mehr. Was machst du denn, wenn du tatsächlich mal frei hast? Triffst du dich mit Freunden und Familie? Feierst du dir den Stress weg?

Alex K.: Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal richtig Party gemacht und Alkohol getrunken habe, so lange ist das schon her. Klar, ich geh dann mit Freunden mal was Essen… In den letzten sieben Jahren hat sich mein Leben natürlich sehr verändert und einige meiner Freunde auch. Manches hat sich da auseinandergelebt. Aber wenn man will, kann man immer den Kontakt halten und mal fünf Minuten über Skype telefonieren, oder so. Meine Freunde passen immer darauf auf, dass ich nicht abhebe. Und bislang hat das, glaube ich, ganz gut geklappt… Wenn ich aber mal Urlaub hab, dann fahr ich gerne nach Spanien oder genieße die freie Zeit zuhause. Momentan verlangt meine Rolle als Tarzan, dass ich sehr diszipliniert lebe und das ist auch okay. Wenn ich irgendwann nicht mehr bei „Tarzan“ bin, hab ich vielleicht wieder eine wilde Phase, wo ich nur abfeiere, aber momentan brauche ich das gar nicht. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, mein Beruf ist mein Leben und das macht mir Spaß.

venyoo.de: Und was ist mit WM? Guckst du? Findet man dich vielleicht beim Public Viewing auf dem Heiligengeistfeld hier in Hamburg?

Alex K.: Ja, klar. Die WM guck ich mir auf jeden Fall an. Ich bin ein riesiger Fußballfan – BVB-Fan. Wir haben auch eine Vorstellung zeitlich verschoben, damit das Publikum auf das Deutschlandspiel nicht verzichten muss… Dass St. Pauli aufgestiegen ist, fand ich übrigens echt toll. Ich bin zwar kein Fan, aber Sympathisant. Die haben den Aufstieg wirklich verdient.

venyoo.de: Wir sind ja ein Veranstaltungskalender und ich hab mal überlegt, was dir gefallen könnte. Darf ich dir daher zum Abschluss noch ein Event empfehlen?

Alex K.: Aber gerne. Da bin ich aber gespannt.

venyoo.de: Im English Theatre läuft derzeit „Deadly Game“ – ein Thriller von David Foley. Es geht um eine gestandene Frau, die einen Kellner für eine Nacht mit nach Hause nimmt und dann nicht mehr los wird. Es entwickelt sich im wahrsten Sinne des Wortes ein „tödliches Spiel“. Sehr spannende Story, toll umgesetzt und: die haben auch vormittags Vorstellungen. „Deadly Game“ im English Theatre.

Alex K.: Ok. Na das hört sich ja echt gut an. Ich werd mir echt überlegen, ob ich mir das anschaue.

venyoo.de: Dann danke ich dir für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg und Spaß bei „Tarzan“.

Alex K.: Ich danke dir.

© Anja Schmidt für venyoo.de

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