Faust

Nach Johann Wolfgang Goethe

Faust ist mehr als die Geschichte eines Mannes, der genug hat von Gelehrsamkeit, Wissenschaft und Rationalität und erst einen Pakt mit dem Teufel schließen muss, um sich Sinnlichkeit, Kontrollverlust und Intuition leisten zu können. Faust ist die Geschichte einer auf den Säulen der patriachalischen Gesellschaft stehenden Zivilisation, bei der Gefühle, soziales Verhalten und Empathie im Verhältnis zu Erfolg und Macht eine nur untergeordnete Rolle spielen, obwohl sie lebenswichtig sind für den Menschen.

Der Seelenzustand von Faust ist durch die Einseitigkeit seines Lebens derart außer Balance geraten, dass er zwischen Todessehnsucht, Schlaflosigkeit und stimulierenden Substanzen, zwischen seiner Leere und ultimativen Sinnsuche, zu zerbrechen droht. Als er sein eigenes Vakuum nicht mehr ertragen kann, fällt er mit des Teufels Hilfe von einem Extrem ins andere. Ein wahrer Teufelskreis ohne Ausweg beginnt, begründet in der Dämonisierung von Libido und von Ausstieg aus Leistungsnormierung und Wissensabsolutismus – virulent als Goethe die ultimative Tragödie der deutschen Klassik schrieb und ebenso aktuell heute. Die Fragen sind die gleichen geblieben: Wie sich entscheiden Für die Vernunft oder für das Begehren? Und warum muss hierüber überhaupt entschieden werden?

Die weitere Fahrt von Faust in der Tragödie zweiter Teil durch die Ebenen der Macht, Metaphysik und Antike sind nur Visionen und Fluchtwünsche aus seiner Lebenssituation in der Tragödie erster Teil, um (Er-)lösung von der Schuld, nicht nur an der verführten Frau, sondern auch sich selbst gegenüber, zu finden. Und das Ziel?

Regie: Amina Gusner
Bühne: Johannes Zacher

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Theater, Johann Wolfgang von Goethe

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Die Veranstaltung »Faust« wurde am Freitag, den 29. Oktober 2010 von venyoobot eingetragen.