Fidelio
Oper in zwei Akten von Ludwig van Beethoven (Dritte Fassung von 1814)
Text von Joseph Ferdinand Sonnleithner, Stephan Breuning und Georg Friedrich Treitschke, nach dem Libretto von Jean Nicolas Bouilly für die Oper „Léonore ou L’amour conjugal“ von Pierre Gaveaux
Musikalische Leitung: Justin Brown
Regie: Robert Tannenbaum
Bühne und Kostüme: Peter Werner
Menschen leben mit anderen Menschen, und die Beziehung zu den anderen führt zu der Frage nach Rechten und Pflichten. Auf diese Frage sind im Laufe der Geschichte viele verschiedene Antworten gegeben worden, aus denen sich nach und nach ein differenziertes Gefüge von Vorstellungen entwickelt hat. Wie soll der Mensch handeln, wie soll er behandelt werden? Die großen Erklärungen der Menschenrechte bilden gleichsam das in Rechtsnormen erscheinende öffentliche Gewissen, das alle Völker und Länder umfasst, das Weltgewissen. Darum ist die Frage nach Sicherung der Menschen- und Grundrechte immer aktuell. Sie steht im Vordergrund des öffentlichen und des privaten Interesses, und die Zukunft eines jeden ist mit ihr eng verknüpft. Und darum ist auch Beethovens „Fidelio“ (Uraufführung der endgültigen zweiaktigen Fassung am 23. Mai 1814 im Kärntnertortheater, Wien) immer aktuell, denn das Werk setzt sich mit den oben angesprochenen Themen auseinander.Als Opfer willkürlicher Gewalt hält Don Pizarro, der Gouverneur eines Staatsgefängnisses, politische Gefangene verborgen, unter ihnen seinen persönlichen Widersacher Florestan, einen Freiheitskämpfer. Dessen Gattin Leonore hat sich, als Mann verkleidet und unter dem Namen Fidelio, bei dem Kerkermeister Rocco anstellen lassen, um auf diese Weise Zugang zu den Gefangenen zu erhalten. Sie vermutet ihren Gatten unter ihnen. Marzelline, Roccos Tochter, hat sich in Fidelio verliebt und durchkreuzt damit die Heiratsabsichten des Schließers Jaquino, dessen hartnäckiges Werben sie heftig abweist. Sie träumt von einem kleinbürgerlichen Glück mit Fidelio. Wen haben wir also vor uns?In ihren kleinen privaten, je individuellen Glückshoffnungen verhaftete Menschen. Menschenrechtsanhänger, die dafür ins Gefängnis kommen. Machtbesessene und Macht missbrauchende Kreaturen wie Pizarro. Den Kerkermeister Rocco, den fatalistischen alten Wärter, der sich erst einmal stumpf in alles fügt, was zu „Nutzen und Frommen des Staates“ angeblich notwendig sein soll, der ohne eigenes Gewissen handelt, ein Machthandlanger. Später dann den Minister Don Fernando, Vertreter eines zunächst einmal... mehr „human“ erscheinenden Staatsgedankens. Aber auf welch tönernen Füßen steht diese „volksfreundliche“ Haltung? Wie schnell eine versprochene höchstmögliche Verbürgung der Freiheit des einzelnen und eine strenge Beschränkung der Staatsgewalt wieder in Terror und Gewalt umschlagen kann, beweist die Geschichte immer wieder. Und dann natürlich Leonore: die mutige Retterin ihres Ehemannes, die personifizierte Humanität. „Ihre ursprüngliche, zunächst rein private Absicht, den eigenen Ehemann unter den Staatsgefangenen ausfindig zu machen und zu befreien, wandelt sich beim Anblick des leibhaftigen Elends im Kerker von der persönlich motivierten Gattenliebe zu grundsätzlicher höherer moralischer Einsicht, in überpersönliche Menschenliebe: ‚Wer du auch seist, ich will dich retten‘, singt sie, bevor sie in dem Gefangenen Florestan erkennt.“ (Dietmar Holland)Leonore ist die Vertreterin des Prinzips Hoffnung wie auch des ethischen Gewissens. Der Schluss: die Befreiung aller Staatsgefangenen, ist ein „Wunschbild des erfüllten Augenblicks“ (Ernst Bloch). Die geschichtliche Realität mit ihren immer neu anschwellenden Machtkämpfen verweist diesen „erfüllten Augenblick“ bis auf den heutigen Tag in das Reich der Utopie. Ludwig van Beethoven (1770-1827) ist der erste Komponist der Geschichte, der die Aufgabe seiner Musik bestimmt, indem er sie als moralische Instanz und als politisches Gewissen aufrichtet.
Veranstaltungsarchiv für Fidelio
| Do | 15.07.10 | 20:00 Uhr | Badisches Staatstheater |
| So | 23.05.10 | 15:00 Uhr | Badisches Staatstheater |
| Fr | 12.03.10 | 20:00 Uhr | Badisches Staatstheater |
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Die Veranstaltung Fidelio wurde am Donnerstag, den 15. April 2010 von venyoobot eingetragen.
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